Liberale trauern um Otto Graf Lambsdorff
07. Dezember 2009 - Der FDP-Ehrenvorsitzende und frühere Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff ist am Samstag im Alter von 82 Jahren gestorben. FDP-Staatsminister Werner Hoyer zeigte sich tief bestürzt ob des Verlustes seines langjährigen politischen Weggefährten. "Otto Graf Lambsdorff war immer ein ordoliberaler Kompass für mich", so Hoyer. "Seine Prinzipientreue und Überzeugungskraft waren Gründe, mich politisch bei der FDP zu engagieren. Es ist menschlich wie politisch ein großer Verlust, Graf Lambsdorff nicht mehr unter uns zu wissen."
Unter Bundeskanzler Helmut Schmidt wurde Otto Graf Lambsdorff 1977 als Wirtschaftsminister in die sozialliberale Bundesregierung berufen. In den folgenden sieben Jahren prägte der "Marktgraf" als kraftvoller Verfechter des Ordoliberalismus die soziale Marktwirtschaft der Bonner Republik. Sein Konzept zur Überwindung der Wirtschaftsflaute, das später als "Lambsdorff-Papier" bekannt wurde, leistete eine wichtige Voraussetzung für den wirtschaftlichen Aufschwung der frühen achtziger Jahre.
Werner Hoyer betonte in seiner Stellungnahme, dass auch das internationale Engagement des Grafen zwar weniger bekannt, doch nicht minder bedeutsam gewesen sei. "Zwar wird Otto Graf Lambsdorff immer als großer Wirtschaftspolitiker der Bundesrepublik in Erinnerung bleiben, doch setzte er sich als überzeugter Liberaler immer auch für Frieden und Freiheit in der Welt und die Universalität der Menschenrechte ein."
Von 1991 bis 1994 verschrieb sich Graf Lambsdorff als Präsident von "Liberal International" (LI), dem Weltverband liberaler Parteien, insbesondere der Integration der vielen neuen liberalen Partner aus den Staaten des ehemaligen Ostblocks. Unvergessen bleibe aber auch sein unermüdlicher Einsatz für die Freiheitsrechte der Tibeter, der einmal mehr die große Bedeutung der Menschenrechte für den "Marktgrafen" unterstrichen hätte, so Hoyer.
Vornehmlich seinen leidenschaftlichen Anstrengungen als Sonderbeauftragtem des Bundeskanzlers war es 1999/2000 zu verdanken, dass die Frage der Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern einer endgültigen Lösung zugeführt und eine entsprechende Bundesstiftung eingerichtet wurde. Lambsdorff war hier ein zäher Verhandler - zum ersten Mal wurde für eine breite Öffentlichkeit sichtbar, dass Lambsdorff einer mit einem sicheren moralischen Kompass war.
In einem Interview im Jahr 2006 antwortete Graf Lambsdorff auf die Frage, ob er nicht müde werde, für die liberale Idee zu kämpfen: "Nein, müde bin ich es nicht geworden. Das ist nicht meine Art. Wer sich für eine freiheitliche Gesellschaft einsetzt, wird immer kämpfen müssen. An meiner Fröhlichkeit kann das aber nichts ändern." Otto Graf Lambsdorff starb am Samstag, gut zwei Wochen vor seinem 83. Geburtstag, in einem Krankenhaus seines langjährigen Wohnorts Bonn.




