Dr. Werner Hoyer - Präsident der Europäischen Investitionsbank Berlin-Archiv

„Soldaten leisten einen großen Dienst für unsere Sicherheit“

Afghanistan
17. April 2010 - „Die Aufgabe wird nicht leichter“ - sagt Werner Hoyer, Staatsminister im Auswärtigen Amt, nach dem jüngsten Anschlag auf deutsche Soldaten in Kundus. Doch für den FDP-Politiker gibt es für die ISAF-Mission keine Alternative: „Es wäre eine Katastrophe, wenn es uns nicht gelingt, Afghanistan zu stabilisieren.“

  Nach dem blutigen Karfreitag mit drei toten Bundeswehrsoldaten erneut vier deutsche Opfer der Taliban. Ist die Bundeswehr besonders ins Fadenkreuz gerückt?

Hoyer: Ob es Zufall ist oder eine gezielte Eskalation der Taliban ist, darüber kann man nur spekulieren. Die tragischen Geschehnisse zeigen: Die Auseinandersetzung ist sehr gefährlich. Es ist ein massiver bewaffneter Konflikt, dessen Charakter man nicht kleinreden darf.

Werner Hoyer in Afghanistan
Werner Hoyer in Afghanistan
  US-Oberbefehlshaber Stanley McChrystal kommt nach Berlin. Was gilt es zu klären?

Hoyer: Wir werden eine möglichst enge Koordinierung unserer Aktivitäten in Nordafghanistans vereinbaren. Unter der Führung der deutschen ISAF-Truppen wird es dort eine starke amerikanische Präsenz geben. Das kann in dieser kritischen Situation sehr hilfreich sein. Die Amerikaner schätzen die Lage als brisant sein. Sie sehen die Notwendigkeit, auch zur Sicherung der Nachschubwege, den Norden zu stabilisieren.

  Gerät das Ziel des zivilen Aufbaus, der Hilfe für die Bevölkerung, im Kriegsgeschehen nicht längst ins Hintertreffen?

Hoyer: Die Aufgabe wird nicht leichter. Aber wir wollen die zivilen Aktivitäten ja ganz bewusst verstärken und ausbauen wie bei der Londoner Konferenz vereinbart. Ohne einen militärischen Sicherheitsschirm ist der Aufbau nicht machbar. Natürlich ist die Unsicherheit und Betroffenheit bei den Soldaten enorm. Die Politik muss immer wieder prüfen, ob die Maßnahmen richtig und optimal durchgeführt sind. Wir müssen realistische Ziele definieren. Eine perfekte Demokratie westlichen Zuschnitts wird man nicht binnen weniger Jahre einführen können.

''Soldaten leisten großen Dienst für die Sicherheit der Bürger Afghanistans.''
''Soldaten leisten großen Dienst für die Sicherheit der Bürger Afghanistans.''
  In der Bevölkerung genießt der Afghanistaneinsatz nach Umfragen kaum Rückhalt. Wird Deutschland am Hindukusch verteidigt?

Hoyer: Es wäre eine Katastrophe, wenn es uns nicht gelingt, Afghanistan zu stabilisieren. Fiele Afghanistan den Taliban in die Hände, wäre auch das Nachbarland Pakistan in Gefahr. Die Nuklearmacht Pakistan unter Kontrolle der Taliban wäre ein enormes Risiko für den Weltfrieden.

 
 Wann wird der Einsatz beendet sein?

Hoyer: US-Präsident Barack Obama hofft, die Kampagne für seine Wiederwahl 2012 mit einer Perspektive für eine deutliche Truppenreduzierung führen zu können. Es ist richtig: Freie westliche Demokratien können so einen Konflikt nicht ewig durchhalten. Wir bemühen uns, in den nächsten eineinhalb Jahren so viele Fortschritte wie möglich zu machen. Die Weichen sind neu gestellt worden mit der starken Betonung der nichtmilitärischen Option. Wir müssen prüfen, ob die militärische Ausrüstung unserer Soldaten ausreicht, auch ob die zivile Komponente noch weiter gestärkt werden kann. Auch durch die furchtbaren Erfahrungen unserer Soldaten dürfen wir uns jetzt, wenige Wochen nach der Neuausrichtung, nicht vom Kurs abbringen lassen.

Interview: Christoph Slangen
Quelle: Passauer Neue Presse (Ausgabe vom 17.04.2010, S. 4)


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